So schön… Oder: Schön und gut

Das Thema Schönheit war in der 20. Schlossgarage ein äußerst attraktives. 15 Teilnehmer*innen aus nah und fern wollten wissen, was es denn so auf sich hat mit der Schönheit, ihrer Geschichte und ihrer Wirkung. Nicht nur aus kommunikativer und grafischer Sicht. Und das Zitat von David Hume, dem schottischen Aufklärer des 18. Jahrhunderts, begann vom ersten Moment an zu wirken: Die Schönheit der Dinge lebt in der Seele dessen, der sie betrachtet.

Jeder trägt in sich das Urbild der Schönheit, deren Abbild er in der großen Welt sucht.

(Blaise Pascal)

Spannend ist sie von Anfang an, die Reise zur Schönheit. Sie führt von der Idee, einer Vision, einem Impuls, einer Gestaltung bis hin zur Liebe. Und wenn wir uns auch noch so hart prüfen und der Frage „Was ist eigentlich Schönheit?“ vehement auf den Grund gehen, dann bleiben schon zu Beginn drei klare Fakten:
Schönheit ist Geschmacksache und für jeden etwas anderes. Schönheit ist allgemeingültig. Objektive Schönheit gilt für alle.

Was aber bedeutet Schönheit für die Kommunikation, für das Design, für die Aufmerksamkeit? Stefan Sagmeister, der Vorarlberger Grafik- und Design-Star aus New York, stellt dazu fest: Schönheit ist die Kombination von Form, Farbe, Komposition, Material und Oberfläche, um die ästhetischen Sinne zu erfreuen und zufriedenzustellen (vor allem das Sehen).

Ausstellung „Beauty“, MAK, 2015
Ausstellung „Beauty“, MAK, 2015
Unsere Vorfahren begannen vor rund 1.000.000 Jahren, Steinbeile herzustellen. Jedes Steinbeil wurde so behauen, dass es symmetrisch war.

Ein Statement, das zum Beispiel der Pfau unterstreicht, wenn er auf Partnersuche geht, das eine Architektur untermauert, die uns sehr subjektiv und individuell anspricht, oder das ein Gemälde unterstützt, das weltbewegend ist.

Konzentrieren wir uns auf Formen und Farben, erkennen wir empirisch erhoben, dass „Rund“ deutlicher Sieger ist vor allem Eckigen. Und dass
die Farbe Blau bei uns Menschen mit Abstand den 1. Platz belegt – vor Grün und Pink. Braun ist übrigens abgeschlagen im hinteren Feld.

Braucht Schönheit Regeln und Formeln?

Schönheit und Symmetrie gehen schon bei unseren Vorfahren eine Symbiose ein, wie ein Steinbeil belegt, das vor 1.000.000 Jahren für die Jagd hergestellt wurde. Weniger martialisch und dafür wunderbar anmutend ist die Tatsache, dass Schönheit auch mathematischen Regeln folgen kann. Leonardo Fibonaccis Zahlenfolge, die er um 1200 entdeckte, beweist, dass eine Kurvendiskussion in der Natur längst schon ihren Niederschlag fand.
Die Fibonacci-Zahlenfolge 1, 2, 3, 5, 8, 13, 21, 34, 55 … (sie ergibt sich aus der Addition der aufeinanderfolgenden Zahlen und Summen: 1+2=3; 2+3=5; 3+5=8 etc.) beschreibt ein Muster, das für das Wachstum in der Natur steht und einen Maßstab in selbstverständlicher Schönheit setzt.

Leonardo Fibonacci, Pisa, um 1200 bedeutendster Mathematiker des Mittelalters

Wer denkt nun nicht an den Goldenen Schnitt?

Zum Beispiel: 21 = 13 + 8. Das ist mehr als ein Verhältnis. Es ist Ästhetik in Zahlen gegossen – der Goldene Schnitt eben. Wie sehr der Goldene Schnitt das Lesen, ein Lächeln, die Architektur und unsere Aufmerksamkeit beeinflusst, beweisen hier stellvertretend Buchsatz, Mona Lisa, das Leipziger Rathaus und Leonardo da Vincis Vitruvianischer Mann.

Fibonacci in der Fotografie

Ist ausgewogene Schönheit ein Mysterium oder schlichtweg unser natürliches Verständnis?

Carl Friedrich von Weizsäcker (1912-2007), der deutsche Physiker und Philosoph, hat das Mysterium dieses Schönheitsempfindens in Worte gefasst:
„Vielleicht ist die allgegenwärtig verborgene Mathematik der Natur der Seinsgrund aller Schönheit.“
Platon bringt seine philosophische Betrachtung der Schönheit auf eine sehr einfache, aber nicht minder bedeutende Gleichung: gut = schön = wahr.

Platons Gleichung wäre für die Kommunikation nahezu ein Idealzustand – das Gute ist das Wahre und zugleich das Schöne. Das klingt nach mehr Gehalt und Fülle. Und in der Tat meinen wir mit „schön“ immer auch etwas mehr.
Wenn wir zum Beispiel sagen: „Das war ein schöner Tag.“, meinen wir nicht nur die Fakten „schönes Wetter in schöner Landschaft“. Wir drücken damit auch aus, dass der Tag ganzheitlich gelungenen war. Ein guter Tag!

Wie sieht eigentlich das schönste Gesicht aus?

Rein menschlich betrachtet, konzentriert sich das Thema Schönheit ja in erster Linie auf das Gesicht. Und die Frage, welches das schönste sei, ist so eindeutig nicht zu beantworten. Da muss eine Studie her, zum Beispiel die der Universität Regensburg aus dem Jahr 2001: mit 60 Frauenportraits, 500 Befragten und 75.000 Messmerkmalen.

Ganz ohne Natur, dafür mithilfe des Computers wurden die „schöneren Gesichter“ digital gemorpht, um das Siegergesicht zu präsentieren. Siehe da, das schönste Gesicht ist sehr symmetrisch und eher „durchschnittlich“. In einem Auswahlverfahren bei einer Model-Agentur wurden dann tatsächlich auch 88 % gemorphte Gesichter bevorzugt.

Ist Schönheit auch gesundheitsförderlich?

Ja! Mehrfach! Rein farblich betrachtet, gibt es messbare Auswirkungen auf den Organismus. Wachkoma-Patienten im Wagner-Jauregg-Krankenhaus in Linz hatten im blauen Raum eine messbar niedrigere Körpertemperatur als in einem roten. Auch ein neugestalteter Krankenhaus-Trakt in den USA zeigte im Vergleich mit dem alten Gebäude, dass
– erstens weniger Medikamente notwendig waren und
– zweitens die Patient*innen durchschnittlich zwei Tage früher entlassen werden konnten.

Sind Schönheit und Liebe ein Paar?

Sie leben zumindest in ewiger Koexistenz und Dr. Johannes Hartl, Musiker, Referent und Theologe, leitet diese ebenfalls mit einer Gleichung her: schön ≠ hässlich. In „hässlich“ steckt der Hass und somit gilt: Schön ≠ Hass. Die Schlussfolgerung ist konsequent: Schön = Liebe und Schönheit = Liebe.

Auch die Hingabe zur Typographie, die Liebe zur Schrift, die Steigerung von normalem zu schönem Schreiben führt uns vor Augen, dass Schönheit und Perfektion in einer wechselhaften Beziehung stehen. Dürers typometrische Studien aus der Renaissance arbeiten mit ihren Gesetzmäßigkeiten den Gegensatz zur Unperfektheit und Individualität heraus, wie sie z. B. in der Kalligrafie anzutreffen sind. Hier schlagen Lebendigkeit, Persönlichkeit, Individualität und Gefühl durch und bilden den Gegenpol zu technischer Perfektion.

Ist schön auch gut?

Nach all den Fragen, nach all den Überlegungen zur Schönheit bleiben drei Statements mit Sicherheit:
– Schönheit ist Geschmacksache.
– Es gibt objektive Schönheit.
– Beides gibt es ohne das andere nicht.

Betrachten wir abschließend das Mysterium der Schönheit mit dem Metablick.
Wir erkennen: Schönheit tut uns Menschen gut. Wenn Schönheit zudem auch Liebe ist (und gut und wahr), dann muss doch auch Liebe Schönheit bewirken.
Macht es also einen Sinn, etwas schön zu machen? Beziehungsweise: Macht Werbung mit Liebe die Ergebnisse schöner?

Ja!

Die Individualisierung der Schönheit zeigt sich auch deutlich im Markencode.
Lieben die einen das Runde, favorisieren die anderen das Kantige. Kommt dort Exaktheit besser an, punktet anderswo das Spielerische.

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